Gras als Nahrungsmittel

27.03.2017

Weltweit gibt es 10.000 Süßgrasarten. Die Tatsache, dass Gras als Monokost gegessen alles abdeckt, was der Mensch zum Leben braucht, macht es so einzigartig unter allen Lebensmitteln. Um gesund zu bleiben genügt es, wenn man....


Aus WA-Aktuell Ausgabe 99, Mai 2016 (#66650292 © Lukas Gojda, fotolia.de)

Man liest immer wieder, dass Menschen in der Not Gras gegessen haben, weil nichts anderes da war, um den Hunger zu stillen und überleben zu können. Gleichzeitig hört man die Warnung, Gras sei nicht für die menschliche Ernährung geeignet. Es könne zwar gekaut und heruntergeschluckt werden, um die Nährstoffe aus den schwer verdaulichen Zellulosefasern herauszulösen und aufzuspalten, fehlten aber die nötigen Mikroorganismen. Weltweit gibt es etwa 10.000 Süßgrasarten. Viele gehören zu den ältesten Nutzpflanzen, die entweder an Tiere verfüttert oder deren Früchte, die Körner, vom Menschen gegessen werden. Die hohe Vitalstoffdichte der grünen Gräser wäre auch gut für die Ernährung des Menschen. Ob man dazu ins Gras beißen muss oder ob es andere Möglichkeiten gibt, stellen Hanna Benker und Bruno Weihsbrodt dar. Sie meinen, man solle sich nicht von Gerüchten über die Ungenießbarkeit von Gräsern abhalten lassen. Sie haben selbst welche angebaut und Erfahrung gemacht:

Die Tatsache, dass Gras als Monokost gegessen alles abdeckt, was der Mensch zum Leben braucht, macht es so einzigartig unter allen Lebensmitteln. Um gesund zu bleiben genügt es, wenn man ein gutes Wasser und das richtige Gras zur Verfügung hat. Das heißt aber nicht, dass man nur noch von Gras leben muss. Wir genießen Gras in Verbindung mit Früchten als Creme, Rohkosteis, Torten, auch herzhaft als Dressing für den Salat oder als herzhafte Hauptspeise. Das besondere an Gras ist, dass es in fast jeder Lebensmittelkombination basisch verstoffwechselt wird. Wir sind der Meinung, dass Menschen, die vor allem von Brot, Getreideprodukten, Fleisch, Fertig- und Milchprodukten leben, immer mehr "sauer" werden. Da nützt auch der basische Salat wenig, wenn er in Essig "ertränkt" wird. Gras wertet hingegen in der ungekochten Form den Speiseplan jedes Menschen enorm auf. 

Es gibt rund 250 Arten von Süßgras in Europa, wobei etwa 20 bis 40 Arten davon auf Wiesen und lichten Wäldern dominierend sind. So sind beispielsweise Weizen, Roggen, Emmer, Kamut, Gerste und alle restlichen Getreidearten Süßgräser. Wegen ihrer Würze würden wir diese Grasarten aber nicht als Hauptnahrungsmittel empfehlen. Da wir vorher schon jahrelang Rohkost gegessen haben, war das Interesse groß, alle essbaren Gräser auch bestimmen zu können. So entstand das Experiment, alle verfügbaren Süßgrasarten als Versuch im Garten anzubauen und diese zu verkosten. Herausgekommen ist, dass italienisches und englisches Raygras wohl die Grasart ist, die man auch als Hauptnahrungsmittel verwenden kann.

Auf die Wiese gehen 

Aber auch andere Grasarten sind dafür geeignet. Auf Gran Canaria haben wir eine Grasart gefunden, die uns noch viel besser schmeckt als jede andere. Im Frühjahr gibt es hier in Europa noch weitere Arten, die nur in dieser Jahreszeit in großen Mengen gegessen werden können. Nach wenigen Wochen entwickeln sie Cumarine oder andere Inhaltsstoffe in großen Mengen, sodass sie nicht mehr als (Haupt-)Nahrungsmittel geeignet sind. Grundsätzlich kann im Prinzip jeder auf die Wiese gehen und verschiedene Gräser einfach kosten. Wenn diese nicht schmecken, können sie immer noch ausgespuckt werden. Vergiftungen mit Gras sind uns bisher keine bekannt.

Wovor wir aber warnen möchten: Auf keinen Fall sollte ein Anfänger in der Wildkräuterküche einfach auf die Wiese gehen, alles Grüne abernten und in den Mixer geben. Werden nun noch Früchte mit hinein gemixt, so ist das Ergebnis nicht vorhersagbar. Was passiert wohl mit Menschen, die Aronstabblätter oder Herbstzeitlose in ihr grünes Smoothie mixen? Man sollte nur jene Kräuter und Gräser verwenden, die bekannt sind. Man kann englisches oder italienisches Raygras als Samen kaufen und in guter Komposterde aussäen. Geerntet wird, wenn das Gras eine Höhe von etwa 10 bis 20 Zentimeter erreicht hat.

Jung, unverholzt und weich

Wenn man das Gras mit der Schere knapp über dem Boden abschneidet, kann man es im Laufe des Jahres immer wieder ernten. Die Höhe des Grases ist nicht so wichtig, sondern die Tatsache, dass es noch nicht verholzt, jung und in allen Teilen weich und grün ist. Denn nur so können wir das Gras gut verdauen und proftieren von seinen Inhaltsstoffen. Kühe und vor allem Pferde vertragen das Gras erst gut, wenn es verholzt ist. Andernfalls könnten sie an den Folgen von Blähungen sterben. Soweit zum Thema, der Mensch sei kein Wiederkäuer. Diese Gerüchte wurden ganz gezielt in die Welt gesetzt um die Menschen von den Supermärkten abhängig zu machen. Bruno ist bei seiner Großmutter aufgewachsen und diese hat oft betont, dass die Wildkräuter in der Nachkriegszeit als "Arme-Leute-Kost" bezeichnet wurden. Wie gut diese Propaganda gewirkt hat sieht man daran, dass Menschen die nach 1944 geboren wurden praktisch nichts mehr über die Wildkräuter wissen und von ihren Eltern auch fast nichts darüber gelernt haben. Auch Hunde und Katzen essen immer wieder einmal junges Gras, ansonsten sind sie aber richtige Fleischesser. Wir haben auch bei einem Hund immer wieder Büschel von Raygras in seinen Futternapf gelegt und der Hund hat es stets mit Begeisterung aufgegessen.

Im Buch "Die Nahrungsmittel sollen unsere Heilmittel sein!" von Margarete von Hagen, steht auf Seite 80: "Dagegen ist frisches Gras als Heilnahrung schon vielfach erprobt und mit Erfolg angewandt worden. In neuester Zeit hörte man sogar von Kuren amerikanischer Millionäre mit rohem Gras. Eine Wiener Zeitung berichtete ihren Lesern von einem Interview des Multimillionärs Browning aus New York durch Pressevertreter, in dessen Verlauf der vielbeneidete Geschäftsmann geäußert habe, er fühle sein Alter herannahen und wisse, dass nur eine strenge Diät ihm noch helfen könne, sein Leben zu erhalten. Darum esse er ausschließlich rohes Gras! Es sei hygienisch und erhalte gesund: Nur Gras!".

Hungersnot überlebt

Das Geschäft mit den Nahrungsergänzungsmitteln läuft gut. Nun hat eines der weltweit größten Grasforschungsinstitute in Holland das Aminosäureprofil von Gräsern wie Raygras analysiert. Die Daten liegen in dem Institut unter Verschluss. Würden sie das Aminosäure-Profil in der Welt der Wissenschaft und an den Universitäten veröffentlichen, wenn es das Geschäft mit den Nahrungsergänzungsmitteln und Medikamenten gefährden könnte? Wohl kaum. Das hat nichts mit Verschwörungstheorie zu tun, sondern das ist die Realität. Bis zum heutigen Tage wurden diese Daten noch nicht veröffentlicht und wir wissen ganz genau, dass sie existieren.

Auch lernte Bruno im Laufe seines Lebens immer mehr Menschen kennen, welche nur durch Gras schwere Hungersnot überleben konnten. Ein Salzburger Heimkehrer berichtete in einer Sendung von Ö1, dass nur jene Menschen den Marsch von Sibirien bis Polen überlebten, die sich entschieden hatten, auch Gras zu essen. Keiner von denen, die kein Gras essen wollten, überlebte den langen Marsch. Ein Sudetendeutscher, der als Junge nur mit dem nackten Leben aus Tschechien flüchten konnte, erzählte, dass er die Wanderung in südlichere Länder nur durch das Essen von Gras überlebt hat.

Auch ist uns ein interessantes Gerücht zu Ohren gekommen. Während des Jugoslawien-Krieges haben die Menschen in der Stadt Bihac an der Grenze von Bosnien und Kroatien angeblich nur dadurch überlebt, dass sie sich bei der Belagerung durch die Armee wochenlang von Süßgräsern ernährten. Pikantes Detail am Rande: Viele Menschen brauchten die Medikamente, die sie in der Zeit der Belagerung nicht bekamen, danach gar nicht mehr.

Der Forscher Dr. Georg H. Earp-Thomas soll bei vielen Menschen Krebs geheilt haben, indem er ihnen fehlende Spurenelemente und Weizengras Saft gab. Die Food-and-Drug-Administration der USA, FDA, verklagte ihn darauf bei Gericht, was ihn nach heutigen Maßstäben etwa eine Million Dollar kostete. Er gewann den Prozess. Die Frage aber, ob er sich das nun jedes Jahr werde leisten können, brach ihm das Herz und er verstarb einige Jahre später. Auch sein Labor ging in Flammen auf.

Ann Wigmore studierte am Earp-Thomas-Labor. Nach dem Studium war sie überzeugt, dass man mit Weizengras die ganze Welt heilen könnte. Sie verkündete, dass sie auch eine Kur gegen Aids hätte. Es wurde ihr jedoch verboten, diese Kur anzubieten, da sie keine Ärztin war. Das Hippocrates Health Institut, das nun von Brian Clement geführt wird, setzte ihre Arbeit fort, und man kann heute Weizengraspulver gefriergetrocknet in Rohkostqualität kaufen. Wir haben dieses Pulver, vor allem im Winter, getestet, und es bekam uns viel besser als Gemüse aus dem Supermarkt. Wenn also Weizengras, welches man nicht als Hauptnahrungsmittel verwenden kann, schon so gut ist, wie gut ist dann wohl das englische Raygras? Erforscht wird leider nur, was Geld einbringt und unsere Vermutung ist eher, dass daran geforscht wird, was gegen Gras sprechen könnte.

Geringerer Fußabdruck mit Gras

Die Fläche, die zum Überleben mit Gras gebraucht wird, ist noch um vieles geringer als beim Anbau von Soja oder Getreide. Wird das Gras im Halbschatten einer Streuobstwiese angebaut, so schmeckt es noch viel milder und feiner und außerdem kann auf dieser Fläche auch noch Obst geerntet werden. Wir sind überzeugt, dass durch Misch- und Permakultur und das Essen von Gras der geringste ökologische Fußabdruck überhaupt erzielt werden könnte, dann wären zehn Milliarden Menschen auf dem Planeten auch kein "Umweltproblem" mehr.

Gras selber anbauen

Auch den Hunger in der Welt könnte man damit relativ kostengünstig beseitigen. Dass hungernde Menschen aufgequollene Bäuche haben hat nichts damit zu tun, dass sie nichts zu essen haben. Die Armen bekommen nur Getreidekost minderer Qualität. Noch genauer ist das nachzulesen im Buch "Mitleidsindustrie". Wir wundern uns dann nicht, wenn die Medikamenten-Kosten höher sind als die Ausgaben für das Essen selbst, was auch in dem Buch zu lesen ist. Es gibt Menschen, die fasten 20 Tage und länger und haben trotzdem keine aufgequollenen Bäuche. Gras wächst überall auf der ganzen Erde. Warum also nicht ein Projekt ins Leben rufen, bei dem die Menschen eine Dorfgemeinschaft bilden und sich das Gras selbst anbauen? Wir sind überzeugt, dass dadurch die Medikamentenkosten und die Kriminalitätsrate gesenkt werden könnten.

Inhaltsstoffe im Blatt

Es ist bekannt, dass Gras sehr viel Zink, Silizium und Eiweiß enthält. Außerdem gibt es private Firmen, die einen hohen B12-Gehalt festgestellt haben. Doch die offizielle Wissenschaft weiß eigentlich gar nichts über die Inhaltsstoffe der Süßgräser. Wir können also behaupten, nachdem wir oft 30 Prozent des täglichen Essens in Form von Gräsern gegessen haben, dass uns die Gräser gut tun und uns alles liefern, was wir zum Leben brauchen. Niemand in der Wissenschaft konnte das bisher widerlegen. Jedes grüne (Süßgras-)Blatt betreibt Photosynthese und dazu sind eine Menge Mineralstoffe und Molekülkomplexe notwendig. Außerdem produziert das Blatt damit Primärzucker, Kohlenhydrate, Fette und Eiweiße, auch primäre Pflanzeninhalts-stoffe genannt. Im Blatt selbst werden meist auch sekundäre Pflanzeninhaltsstoffe gebildet, die dann erst in Wurzeln oder anderen Pflanzenteilen gespeichert werden. Es sind aber noch nicht alle sekundären Pflanzeninhaltsstoffe vollständig erforscht.

Alle heimischen Getreide sind eigentlich überzüchtete Süßgrasarten. Wir kennen Rohköstler, die züchten mit viel Aufwand Weizengras oder kaufen es teuer in der Gärtnerei. Die Natur kann das aber viel besser und außerdem noch kostenlos. Denn was ohne Hilfe natürlich aufwächst, enthält um einiges mehr an Inhaltsstoffen und vor allem Lebenskraft.

Wir können nicht alle Süßgräser hundertprozentig bestimmen, aber wir können sie kosten. Wir schneiden also zuerst mit einer Schere ein Büschel ab, und wenn wir das Gras nicht bestimmen können, so beißen wir erstmal ins Gras. Wir kauen dann darauf herum. Unser Geschmackssinn ist so fein geworden, dass wir sofort erkennen, ob wir diese Art von Gras in größeren Mengen essen können. Das würden wir jedem anderen auch empfehlen, wenn man eine größere Menge da von sammeln und essen will.

Junges Mariengras ist essbar

Warnen möchten wir vor Mariengras jeder Art. Dieses enthält sehr viele Cumarine. In kleiner Dosis wirkt es positiv, aber in großen Mengen ist es giftig für den Organismus. Man erkennt es leicht am "Waldmeister"-Geschmack. Mariengras ist für den berühmten Heu-Duft verantwortlich. Gut zum Räuchern, aber Räucherstäbchen würde ja auch niemand knabbern, nur weil sie gut riechen. Wer unsicher ist, der sollte sich Hafer aussähen. Das ist das Süßgras, welches früher als Stärkungsmittel für schwache Menschen verwendet wurde. Ich denke, es ist eines der wertvollsten Süßgräser der Welt. Hafer kann auch noch in der Blüte geerntet und dann als Tee verwendet werden. Junges Mariengras im Frühjahr gleich nach der Schneeschmelze enthält kaum Cumarine und kann kurze Zeit als Speisegras verwendet werden. Ausprobiert und getestet haben wir das ab Frühjahr 2013. Gras war wohlschmeckend und gut verwendbar und wurde nach dem Schnitt an einen geschützten Platz umgesetzt. Drei bis fünf Wochen später konnte es als Mariengras bestimmt werden und es schmeckte intensiv nach Cumarin. In unserem Mixer mit Trockenbehälter bekommt man Gras mit etwas Wasser in circa zwei Minuten komplett faserfrei, es erwärmt sich dadurch auf etwa 30 bis 35 Grad. So kann man sich gleich noch eine warme Mahlzeit zubereiten, wenn man das möchte. Auf dieser Basis lassen sich viele verschiedene Rezepte zubereiten.


Vita:

Mit unseren 3 kleinen Kindern leben wir in Tirol auf ca. 2 ha. Wir sind dabei eine Biodervisität zu erschaffen wie sie kaum noch zu finden ist und ernähren uns fast ausschließlich roh vegan. Wir bieten Workshops zu Themen der Gesundheit und Natürlichen Lebensweise an. Unsere Spezialgebiete sind Selbstversorgung, Gesundheit ohne Nahrungsergänzugnsmittel, Essbare Gräser und Wildkräuter.

www.issgras.at