Was ist Krebs?

06.03.2017

von Arnold Ehret 
aus „Gesundheit” von 1911

Vor mehreren Wochen ging die Nachricht durch die Zeitungen, dass Mary Baker Eddy (1821-1910), die Begründerin der "Christian Science" (Christliche Wissenschaft), in Amerika an Krebs verstorben sei und das ansehnliche Vermögen von einer Million Dollar hinterlassen habe. Da letztere Gesellschaft auch in Europa, besonders in Berlin, von sich reden macht, dürfte es für Anhänger der naturgemäßen Lebensweise nicht uninteressant sein, obige Krankheit näher ins Auge zu fassen. Auch Pfarrer Sebastian Kneipp soll an Darmkrebs gestorben sein.

Der "Deutschen Gesellschaft für Krebsforschung" stehen Millionen zur Verfügung mit einem besonderen Institut zu diesem Zwecke in Heidelberg. Rockefeller hat jetzt bald eine Milliarde an Universitäten gestiftet, namentlich um die Schwesterkrankheit des Krebses, die Tuberkulose, zu erforschen. Auf alle diese Ereignisse und Tatsachen hin ist es der reinste Hohn, konstatieren zu müssen, dass die Verbreitung dieser Geißeln der Menschheit in stetem Wachsen begriffen ist.

Was ist Krebs? Was ist Krankheit? Ich habe voriges Jahr in dieser Zeitschrift (Vegetarische Warte, 1910) den letzten Begriff auf eine gemeinsame Einheit, auf einen gemeinsamen "Nenner" zurückzuführen versucht und gezeigt, dass es eine gemeinsame Substanz, den Schleim, gibt, dessen Ausscheidungsbestreben durch den Organismus bei allen Krankheiten vorliegt und ebenso sich bei jedem Kulturmenschen einstellt, sobald dieser mit Nahrungszufuhr aufhört, fastet, d. h. künstlich, freiwillig sich dem Reinigungsprozess, Krankheit genannt, aussetzt. Das ist eine experimentelle Tatsache, die mir niemand widerstreiten kann, weil sie sich an jedem Kranken und an jedem Menschen wahrnehmen lässt, sobald dieser unfreiwillig, durch Krankheit gezwungen, oder freiwillig die Nahrungsaufnahme auch nur vermindert. Namentlich auf der Zunge, die das genaue Spiegelbild der Magenschleimhaut ist, erscheint dieser Schleim. Ist an der Peripherie oder im Innern eine Wunde, ein eiterndes Geschwür vorhanden, so nimmt mit der Nahrungseinstellung die Schleim- und Eiterabsonderung zunächst an der Ausflussstelle zu. Wird längere Zeit gefastet (sehr oft genügen sogar schon wenige Tage), so hört der Auswurf durch die Öffnung allmählich auf und die eiternde Wunde, das Geschwür, heilt. Es ist durch die Erfahrung bestätigt, dass Geschwüre, Ausschläge, verunreinigte Wunden usw., die wochenlang den Mitteln der Allopathie und der Naturheilkunde trotzten, in wenigen Tagen durch Fasten heilen.

Nun ist Krebs nichts weiter als zunächst ein Geschwür, eine Verdickung, später eine eiternde Öffnung, eine Auswurfsstelle für Fremdstoffe und Schleim, gewissermaßen ein Notventil, das "chronisch" geworden und dessen Umgebungsgewebe so lange mit Schleim und Eiter durchsetzt wird, bis sich in den meisten Fällen eine vulkankraterartige Erhöhung, eine Wucherung um die eigentliche Auswurfsöffnung bildet, welche mit der Zeit selbst in Eiter übergeht, verfault, zerfällt, wenn nicht vorher, z. B. bei Brustkrebs, das ganze Organ oder Teile desselben weggeschnitten werden.

Es besteht also beim kranken Organismus die Neigung, dass er sich selbst solche Auswurfsöffnungen, solche Notventile in der Absicht schafft, unreine Bestandteile des Blutes, Fremdstoffe, Schleim und Eiter damit nach außen abzuführen und sobald diese Eiterungen lange genug dauern, chronisch werden, notgedrungen sich die Umgebung in bezeichneter Weise umgestaltet und zersetzt wird, wuchert, so dass damit das Symptomatische für den Begriff Karzinom, von Krebs, gegeben ist.

Wenn nun klargestellt ist, wie die äußerliche Erscheinung der Krankheit Krebs zustande kommt, so ist es ungleich wichtiger, zu zeigen, hineinzusehen, wie und woher eine solche Auswurfsstelle im "physiologischen Betriebe" des kranken Organismus durch Schleim und Eiter gespeist wird. Gelingt es, nachzuweisen, wo diese Fremdstoffe, Schleim und Eiter, herstammen, und will man einsehen und objektiv eingestehen, dass ebenso chronisch Schleim und Eitermaterial, wenigstens im Vorstadium, zugeführt werden (totes und tot gekochtes Fleisch usw.), so muss es ebenso logisch und einleuchtend sein, dass das betreffende Geschwür chronisch ausscheidet, seine ganze Umgebung wuchert und damit die Bedingungen zur Diagnose des Krebses vorliegen, vorausgesetzt, dass die Masse, der Zersetzungsgrad und die Dauer des Auswurfes entsprechend groß sind. Hierzu muss ich wieder auf meinen Aufsatz "Der gemeinsame Grundfaktor im Wesen aller Krankheiten", der unterdessen als Buch "Kranke Menschen" erschienen ist. (Dieser Beitrag wir in einer der nächsten Ausgaben von WA-Aktuell abgedruckt)

Milliarden werden ausgegeben und Tausende von Forschern suchen nach den Krebsbazillen. Sobald aber ein "unberühmter Mann", und wenn er dabei sein Leben aufs Spiel setzt, die Wahrheit aufdeckt, kümmert sich niemand darum, am wenigsten die Forscher selbst. Sogar die "große Politik" des Sozialismus erkennt diese geistige Tyrannei noch nicht, wodurch Tausenden von Kranken die Wahrheit vorenthalten wird. Man hat diesen "geistigen Kapitalismus" in jenem Lager der Aufklärung bis jetzt nicht einmal geahnt, geschweige denn erkannt oder bekämpft. Andern die Schuld des menschlichen Elends zuzuschreiben, ist leichter und bequemer, als bei sich selbst anzufangen.

Dem modernsten Aufgeklärten und Alleswisser ist Krankheit immer noch eine dunkle Fallgrube.

Bis zu einem gewissen Grade exakt reagiert erst der reine, gesunde, schleimlose Organismus. Nach zirka zweijähriger strenger Obstdiät, nachdem ich damit durch Fasten eine Gesundheit erreicht habe, von der man in Europa noch keine Ahnung hat und die ich in meiner Arbeit "Ein 49 tätiges Fasten" (Vegetarische Warte, 1909/10) näher beleuchtet habe, machte ich folgende Experimente:

Ein Messerschnitt im Unterarm. Es floss kein Blut, sofort Eindickung desselben und der Verschluss der Wunde, keine Entzündung, kein Schmerz, kein Schleim und kein Eiter. In drei Tagen verheilt, Blutkruste abgestoßen. Später bei vegetarischer Nahrung einschließlich Schleimbildnern (Stärkemehlnahrung), aber ohne Eier und Milch: Die Wunde blutete etwas, schmerzte und eiterte leicht, leichte Entzündung, völlige Verheilung erst nach mehreren Tagen. Später dieselbe Verwundung bei Fleischkost und etwas Alkohol: Längeres Bluten, das Blut war viel heller und dünner, wie in meiner Jugend bei Verletzungen. Entzündung, Schmerz, es eiterte mehrere Tage und heilte erst durch zweitätiges Fasten. Ich habe mich im deutschen Kriegsministerium, natürlich vergebens, zur Wiederholung dieses Experiments angeboten. Warum heilten denn die Wunden der Japaner viel schneller und besser in dem damaligen Kriege, als die der Fleisch- und Schnapsrussen? Hat denn seit zwei Jahrtausenden noch niemand darüber nachgedacht, warum Öffnen der Pulsader und selbst der Giftbecher Seneca nicht töten konnten, nachdem er vorher Fleisch verachtet hatte und im Kerker fastete?

Wenn man fettes Fleisch, das sofort nach dem Schlachten Leichengifte bildet, lange genug kocht, erhält man Schleim und Leim. Dasselbe ergibt sich bei genügendem Kochen von Mehl, Reis oder Kartoffeln. Ebenso sind Kasein der Milch und Käse selbst natürlich tote, klebende Schleimsubstanzen. Aus allen diesen Nährmitteln, die alle erst durch Kochen für die Verdauung künstlich vorbereitet werden müssen, zieht der Körper beim Kochprozess der Verdauung unter großem Kräfteverlust etwas Traubenzucker, aus dem Fleisch gar nichts Brauchbares. Fleisch ist ein Reizmittel durch seine Leichengifte, wirkt fälschlich kräftigend und scheinbar ernährend. Der Rückstand sind Kleister und Leichenschleim, mit denen man ein Leben, die "Zentrale", den Magen und den Darm verschleimt. Sie verunreinigen im Laufe des Alterns fortgesetzt das Blut und sind im fraglichen Falle an der Auswurfstörung dieses Röhrensystems, Organismus genannt, beteiligt. Auch die Auswurf-Umgebung überwuchert bis zum Absterben, es werden "eigenartige Zellen" und "Knoten" gebildet.

Weiß man jetzt, was Krebs ist und warum man daran sterben kann, trotz allen Betens, aber unter Verachtung der göttlichen schleimlosen Nahrung, des Obstes? Oder warum man nicht gegen diese "Geißel" gefeit ist, wenn auch noch so lange durch künstliche Erkältungen (Kaltwasseranwendung) Schleim hinausgepeitscht wird, man aber täglich wieder nachfüllt?