Wilhelm Fiebiger

           WA-Aktuell nimmt Anteil am Tod von Wilhelm Fiebiger

Wilhelm Fiebiger mit 102 Jahren verstorben
Deutschlands Nicht-Alterns-Philisoph Nr. 1


Er hat Menschen mit seiner Ausstrahlung und Lebensweise in der Rohkostszene fasziniert, er war Gast in Talkshows und bei den Hambacher Gesundheitstagen von Manfred Bruer - am 12. November ist Wilhelm Fiebiger im Alter von 102 Jahren in seinem Haus im Westerwald verstorben.

Drei Wochen zuvor war er gestürzt und wurde ins Krankenhaus gebracht. "Als ich ihn dort besuchte, fand ich ihn apathisch vor und an Schläuche angeschlossen. Sein Herz war durch die Immobilität so geschwächt, dass sich Flüssigkeitsansammlungen in den Lungen, wie auch in den Beinen gebildet hatten, auch die Nieren arbeiteten nur noch eingeschränkt", berichtete Manfred Bruer. Er holte ihn aus dem Bett und ging mit ihm über die Flure, sodass sich sein Befinden sofort besserte. Nach zwei Wochen kam er zurück in sein Haus. „Ein Pflegedienst und eine Haushälterin kümmerten sich fortan um ihn, allerdings: Die Herzschwäche blieb. Nach wenigen Minuten Bewegung musste er sich gleich wieder längere Zeit ausruhen", schreibt Bruer im Nachruf.

Fiebiger wurde am 6. April 1917 geboren. Als Kind hatte er eine schwere Rachitis, war viel erkältet, hatte meist ein Gerstenkorn unter den Augen und Frostbeulen an den Füßen. In der Schule gab es Lernschwierigkeiten. Mit 17 Jahren lernte er einen Wassersportfreund kennen, der sich nur von Früchten ernährte. Das war für ihn der Anlass, seine Ernährung umzustellen. "Nicht, weil ich krank war. Es war der Gedanke, dass es noch eine besserer Gesundheit geben könnte", schrieb er 2000 an Helmut Wandmaker. Inspiriert hatten ihn Bücher von Gustav Schlickeisen, Arnold Ehret, Gustav Riedlin, Erwin Hof, Max Nagler, Max Bircher-Benner, Otto Buchinger und Emmet Densmore. Kompromisse musste Fiebiger während seiner Zeit als Soldat von 1939 bis 1945 machen. Doch danach entwickelte er eine ganz individuelle Ernährung. „Hier im Westerwald bewohne ich ein Schwedenholzhaus auf einem großen Obst- und Gartengrundstück, lebe also nur von meinen eigenen echten Bio-Produkten. Es ist mir ein Bedürfnis, mich täglich kreativ körperlich zu bestätigen. In zwei Foliengewächshäusern baue ich Tomaten, Gurken, Paprika und andere empfindliche Sorten an. In meinem Wintergarten reifen sogar kräftige Feigen", erzählte er in seinem Brief, der in WA Aktuell 7, Januar-Februar 2001, abgedruckt wurde. Bei den Hambacher Gesundheitstagen 2019 sprach über sein Leben und seine Ernährung und darüber, warum er mit 102 Jahren körperlich und geistig noch fit ist. Hier ein Auszug aus seinem letzten Vortrag, der zur Veröffentlichung der WA-Aktuell 121 vorgesehen war:

„Die erste Mahlzeit am Tag esse ich zur Mittagszeit. Sie ist möglichst mono, Gemüse und Obst mische ich nicht. Wenn ich esse, aber keinen Hunger habe, belastet es meinen Körper. Mein Bruder wurde 1915 geboren, ist mit Muttermilch gestillt worden und war immer kräftig und gesund. Er ernährte sich von gut bürgerlicher Kost und ist mit 64 Jahren gestorben. Als ich 74 Jahre alt war, hat sich meine Frau von mir getrennt. Ich musste Haus und Hof in Bayern verkaufen und habe im Westerwald das Haus erworben. Bei diesen Belastungen spürte ich die eingeschränkte Vitalität des fortschreitenden Alters. Ich habe dann meine Ernährung von vegetarisch auf roh-vegan umgestellt. Das hat mir zusätzliche Vitalität bis zum heutigen Tag gegeben. Das Wesentliche in der Ernährung ist die Rohkost, die Nahrung, die die Natur uns bietet. Sie sollte so gegessen werden, wie sie ist. Die Frischkost stärkt auch die Hirnkapazität. Ich kann von mir sagen, dass ich noch ein ganz klares Gedächtnis habe. Ich esse jeden Tag Knoblauch und Zwiebeln. Knoblauch hat die Eigenschaft, die Gehirnarterien kalkfrei zu halten. Wichtig ist, die Bedürfnisse zurückzustellen. Der Glückliche und Zufriedene hat keine Bedürfnisse. Bescheidenheit ist ein ganz wichtiger Faktor. Wenn ich viel haben möchte, werde ich nie zufrieden werden. Das ist alles materiell. Ich muss mit dem, was ich habe, zufrieden sein, wenn ich glücklich werden möchte. Trotz meiner nicht schönen Kindheit habe ich im Leben nie einen Arzt benötigt, außer im Krieg einmal bei meinem Oberschenkeldurchschuss. Sonst habe ich immer einen Weg gefunden, wie ich mir selbst helfen konnte wieder gesund zu werden. Wenn man sich den ganzen Tag hinsetzt, verrostet der Körper, er wird steif und ungelenkig. Ein großer Garten, Powerwalking, der tägliche Kopfstand, 50 Schrägliegestütze und 50 Kniebeugen erhalten mir die Elastizität. Ganz wichtig ist auch die Stille. Die meisten Menschen hören den ganzen Tag Radio, oder sitzen vorm Fernseher. Ich höre morgens um sechs Uhr die Nachrichten und den Wetterbericht, das genügt."                  rmi


Bleibende Erinnerungen

Wieland Backes spricht im Nachtcafe mit dem Thema „Jung um jeden Preis"
mit Wilhelm Fiebiger, der ihm einige Geheimnisse verrät, wie man jung und fit bleibt.
09. März 2012 


„Alt werden - gesund bleiben”

 Gebundenes Buch - 1. November 2011
von Manfred Bruer (Autor)

ISBN 978-3000362118

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